Hadiko-Teppich
Der Hadiko-Teppich (Tapes hadikoensis) ist eine Lebensform aus der Familie der Wirbellosen mit Verwandschaft zu den Amöben und Flechten. Seine enorme Widerstands- und Anpassungsfähigkeit machen ihn zu einem idealen Symbionten für den gemeinen Langzeitstudenten (Studentus prokrastinator vulgaris). Bei artgerechter Haltung kann er viele Zwecke erfüllen, beispielsweise dient er als Anti-Rutsch-Oberfläche, hocheffizienter Schmutzabsorber und pflegeleichtes Haustier. In Notzeiten kann er auch verzehrt werden und bietet dabei einen nicht zu verachtenden Nährwert. Jedoch ist strikt darauf zu achten, dass er vorher gründlich frittiert wurde.
Verbreitungsgebiet
Hadiko-Teppiche sind eine endemische Art, welche über lange Zeit durch evolutionäre Anpassung an die extremen Verhältnisse in Studentenwohnheimen entstand. Bisher wurde sie nur an einem einzigen Ort der Welt beobachtet, dem Hadiko-Archipel in Zentraleuropa. Das dort vorherrschende Klima zeichnet sich aus durch hohe Luftfeuchtigkeit, geringe Frischluftzufuhr und konstanten Lichteinfall durch Computermonitore. Versuche, einzelne Exemplare an anderen Standorten auszuwildern, scheiterten bisher.
Das Hadiko-Archipel besteht aus 6 7 inselartigen Gebäuden, welche durch sonnige, gut belüftete Rasenflächen voneinander getrennt sind. Diese Rasenflächen sind für den Hadiko-Teppich unüberwindbar. Dennoch wurden auf fast allen Inseln mehrere Exemplare gefunden, weshalb vermutet wird, dass das Archipel in früherer Zeit aus einem zusammenhängenden Gebäudekomplex bestand. Vulkanische Aktivität im nahegelegenen Parkhaus führte unlängst zu Spekulationen, ob dort bald ein siebtes Gebäude entstehen wird. Die fähigen Seismologen sollten mit dieser Vermutung Recht behalten. Im Frühjahr 2022 haben die ersten Pioniere begonnen, das neue Gestein zu bevölkern. Der Hadiko-Teppich scheint aber keine solche Pionierspezis zu sein.
Erste Versuche, Archipel fremde Teppiche (Tapes externus) anzusiedeln, sind geglückt. Im Vergleich zu den einheimischen Exemplaren der alten Gebäude haben sie einen kleineren Wuchs und erweisen sich als weniger resistent. Die Unterschiede der verschiedenen Arten werden auf die Jahrzehnte lange Isolation des Hadiko-Teppich zurückgeführt.
Fressverhalten und Regeneration
Die einheimische Bevölkerung lebt in Symbiose mit dem Hadiko-Teppich und hat dessen Nahrungsgewohnheiten durch gezielte Selektion an ihre Bedürfnisse angepasst. Ein gesunder Hadiko-Teppich absorbiert und frisst praktisch jegliche organische Materie, welche zu Boden fällt. Einzelne Quellen berichten davon, dass betrunkene Personen, die nach einer durchzechten Nacht auf einem Hadiko-Teppich einschliefen, bereits am nächsten Morgen fast komplett von jenem überwachsen waren.
Die ideale Nahrung für den Hadiko-Teppich sind jedoch Bier und Cola sowie Pizzareste. Wenn er mit diesen gefüttert wird, entwickelt ein Hadiko-Teppich enorme Selbstheilungskräfte. Brandlöcher in Topfgröße werden dann innerhalb weniger Tage vollständig regeneriert. Aus diesem Grund hat die Bereitstellung von Bier und Pizza so hohen Stellenwert für die einheimische Bevölkerung, dass sie eigene Ämter dafür eingerichtet haben, die sogenannten Bierminister und Pizzaflure.
Zur Pflege eines gesunden Hadiko-Teppich empfiehlt sich ebenfalls, gelegentlich eine Prise Staub und Fusseln zu verstreuen, welche dem Organismus wichtige Ballaststoffe zum Aufbau einer robusten Zellstruktur liefern.
Natürliche Feinde
Der natürliche Fressfeind des Hadiko-Teppichs ist Feuer jeglicher Art. Insbesondere Zigaretten stellen eine Bedrohung für die Spezies dar. Mit Feuer konfrontiert, sträubt sich der Hadiko-Teppich bedrohlich und stößt ein tiefes Grollen aus. Bei direktem Kontakt sondert er toxische Dämpfe ab. Aus diesem Grund ist ein Teil der einheimischen Bevölkerung unlängst zum Gebrauch sogenannter E-Zigaretten übergegangen.
In neuerer Zeit sind auch Laminat und Parkettböden als Neozoen auf das Hadiko-Archipel gelangt, welche die einheimischen Arten verdrängen. Im Kampf um den begrenzten Lebensraum zieht der Hadiko-Teppich nicht selten den Kürzeren, weshalb er im Jahre 2016 auf die Rote Liste gefährdeter Arten der IUCN aufgenommen wurde.
Auch der einst symbiotische Langzeitstudent ist dem Teppich gegenüber immer öfter kritisch eingestellt. Die Unterart, die die neuste Insel bevölkert, ist der sogenannte Studentus prokrastinator tabula. Es wurde noch keine Sichtung gemeldet, dass ein Exemplar der Art versucht hätte, seinen oder ihren Teppich mit zu überführen.